Briefe
Das Gebet für die Mutter
Kloster zur Heiligen Schwester Monika · Mai 2019
Der lange Trauerbrief, den sie einen Monat zuvor angekündigt hatte. Er beginnt ohne Datum, mit einem Satz über Leben und Sterben, und wird dann sehr konkret: der 90. Geburtstag im Hof, vier Kinder in einer armen Zeit, das lange Warten in Köln, bis er mit dem Auto kam, und das, was die Mutter ihr damals von sich erzählte – vom früh gestorbenen Vater, vom Alleinstehen, von der Hilfe im Alter. Am Ende steht ihr Satz über die Toten, der demjenigen aus dem Oktoberbrief vorausgeht: sie sind nicht irgendwo, sondern dort, wo sie gelebt haben. Der Schluss ist knapp, weil die Anbetung ruft.



Klartext
Ob wir leben oder sterben wir sind in Gottes Hand. Auch Du, den Schritt den Du getan hast war ein Notschrei, den Gott verstanden hat.
Lieber Udo.
Mein Gebet für Deine liebe Mutter soll Dir ein kleiner Trost sein. Ich weiß was es heißt von dem Liebsten was man auf Erden hat Abschied zu nehmen.
Du hast viel für Deine Mutter getan. Du warst ein guter Sohn und hast alles unternommen um es ihr erträglich und schön zu machen, denn das Alter anzunehmen ist keine einfache Sache.
Wie schön durfte sie noch ihren 90. Geburtstag feiern, sogar noch im Hof. Gönne ihr die Ruhe, sie ist gut oben angekommen, denn sie hat ein gottgefälliges Leben geführt. Vier Kinder zur Welt bringen, in einer armen Zeit, das war doch was.
Deine Mutter und ich haben in Köln eine gute Weile auf Dich gewartet bis Du mit dem Auto zu uns gekommen bist, da hat sie mir vieles von sich erzählt. Das Dein Vater Dir oft geholfen hat, aber schon gestorben ist.
Sie hat im Leben ihren Mann stellen müssen. Und dann war sie ganz auf Hilfe angewiesen. Gott sei Dank das Du ihr eine gute, polnische Frau zur Seite gestellt hast, mit der sie sich gut verstanden hat.
Noch kann ich es nicht begreifen das Anni nicht unter uns ist. Wenn ich für sie bete wird es mir leichter.
Lieber Udo, unsere Verstorben sind nicht irgend wo, sondern da wo sie gelebt haben, bei ihren Lieben. Deine Mutter ist Dir ganz nahe, sprich mit ihr, sie hört Dich, denn Du bist von Deinen Geschwistern der der das meiste für sie getan hat.
Lieber Udo, ich war unverschämt, bitte verzeihe mir, in Deinen großen Schmerz erzähle ich Dir etwas von Dusch, vergiß es bitte, ich brauche es jetzt nicht, vielleicht Weihnachten.
Jetzt hast Du mehr als genug zu tun bis alles erledigt ist und dann noch Deinen großen Betrieb, der ja weiter gehen muß.
Ich schließe weil ich jetzt Anbetung habe, ich umarme Dich,
in Trauer vereint Monika.