Briefe
Herzenswünsche und die harte Einmachzeit
Kloster zur Heiligen Schwester Monika · 8. September 2019
Zwei Jahre später, der Ton ist müder geworden: Die Einmachzeit mit doppelter Obsternte, in der Obstküche nur noch zwei Vollkräfte – und ihre rührende Geduld mit den demenzkranken Mitschwestern, denen sie jeden Tag alles neu erklärt und dann sagt, wie schön sie arbeiten. Am Ende der Satz, der den ganzen Briefwechsel trägt: Der Brief hat mir gut getan, ich fühle mich besser als vorher.



Klartext
Lieber Udo.
Von Herzen wünsche ich Dir alles Liebe und Gute, Gesundheit und Gottes Segen. Ich denke oft an Dich.
Gerne würde ich Dir einen fröhlichen Brief schreiben, ich versuche das Beste. Nun merke ich mein Alter, ich komme mir vor wie ausgepreßt. Die Einmachzeit war hart, es hat doppel so viel Obst gegeben, als andere Jahre. Vor ein paar Jahren waren wir noch zu fünft in der Obstküche, jetzt sind wir zwei Vollkräfte und zwei Demenskranke. Mitten in der Arbeit geht meine Mitarbeiterin in Ferien. Sie ist zwei Jahre jünger als ich und am liebsten da wo schon fertig geschafft ist. Das ist Schwarzwälder Art. Und dann stand ich mit den beiden da. Sie sind willig, aber es klappt nicht immer. Jeden Tag muß ich das selbe erklären. Wenn wir dann fertig sind, sie arbeiten nur am Morgen, dann sage ich wie froh ich bin das sie so schön arbeiten, dann freuen sie sich. Wenn ich ihnen dann und wann etwas Süßes schenke, freuen sie sich sehr.
Für eine Sr. Aleidis war mal ein schwerer Tag, als sie den Führerschein abgeben mußte. Sie war eine gute Krankenschwester in Sigmaringen Dorf gewesen. Sie weiß um ihre Krankheit. Und ich mußte lernen das sie keinen Bezug zur Zeit haben. Sie wissen nicht welcher Tag das ist und auch nicht wieviel Uhr es ist. Ich habe sie sehr gerne wenn auch jeden Tag ein Stück von meinen Nerven den Bach runter geht.
Auch Sr. Anneliese sie sitzt bei Tisch neben mir, sie redet dem Teufel die Ohren weg, aber weh ich sage was was sie nicht hören will.
Der Brief hat mir gut getan, ich fühle mich besser als vorher. Ich will aber nicht das ich Dich damit belaste. Wenn jetzt nur der normale Betrieb läuft, erhole ich mich hoffentlich auch wieder.
Lieber Udo, ich weiß das Du es auch nicht leicht hast, mit Deinen vielen Arbeiter, ich möchte nicht mit Dir (tauschen) tauschen.
Lieber Udo, alles Gute Monika.