Briefe
Trost nach dem Tod der Mutter
Kloster zur Heiligen Schwester Monika · 27. Oktober 2019
Der Trostbrief. Nach dem Dank für ein Paket und dem schweren Gang ins Pflegeheim, in das fünf Mitschwestern umziehen mussten – „einen alten Baum verpflanzt man nicht“ –, findet sie im Garten schlagartig die Worte, die sie schreiben wollte: über die verstorbene Mutter, den gefeierten 90. Geburtstag, die Gewissheit, dass nichts zu viel war. Und den Satz, der bleibt: Unsere Toten sind da wo man sie geliebt hat.



Klartext
Lieber Udo.
Das Dein Paket bei uns ankam hat eine Mitarbeiterin Dir hoffentlich ausgerichtet Ich habe mich sehr darüber gefreut. Ganz vielen Dank dafür. Mit so vielen, guten Sachen hatte ich nicht gerechnet. Vielen Dank besonders für das Klebeband, aber auch für die Gummibärchen und die Mars, das Dusch und die schönen Sachen für den Basar. Vieles für den Basar kam letzte Woche dazu, von zwei aufgelösten Häusern der Schweiz und Freiburg.
So eben kam ich aus dem nahegelegenem Pflegeheim, in das fünf unserer Schwestern eingeliefert wurden. es bewahrheitet sich mal wieder ein altes Sprichwort: einen alten Baum verpflanzt man nicht. Zwei der Schwestern können noch am Rollator laufen und nach draußen gehen. Aber die drei anderen sind sehr traurig. Sie werden gut versorgt und gefüttert aber sie sind allein, der Tag kann lang sein. Wir fehlen ihnen, die anderen bekommen immer wieder Besuch und von uns ist der Besuch spärlich. Viele von uns können gar nicht mehr herunter. Jetzt habe ich mich mit Sr. Aleidis abgesprochen das wir zuerst mal zusammen und dann jede extra runter geht, einmal in der Woche. Und wenn es nur auf dem Balkon ist für eine Stunde.
Als ich dann an der frischen Luft war, merkte ich das ich mich erst beruhigen mußte, denn ich wollte ja Dir noch den Dankesbrief schreiben, meine Gedanken waren schon lange bei Dir und im Garten wußte ich schlagartig was ich Dir schreiben wollte.
Udo, Du hast gut für Deine Mutter gesorgt, es war Dir nichts zuviel, sie durfte in ihrem Zuhause sein und hatte eine gute Hilfe. Ihre Geburtstage und Weihnachten habt Ihr immer mit einander in der Familie gefeiert. Am Telefon hat sie mir vom 90. Geburtstag erzählt: wie sie mit ihren Bekannten und Nachbaren im Hof wunderbar gefeiert hat. Du hast für sie getan was möglich war, deshalb hat sie ihr hohes Alter nicht als Last empfunden. Und jetzt ist sie in Deiner Nähe, denn unsere Toten sind da wo man sie geliebt hat. Ich bete täglich für Dich und zu Deiner Mutter, ihr geht es gut.
Lieber Udo, Dir trotz der vielen Arbeit alles Gute
Monika.
irgend wann, vielleicht schon morge schreibe ich kurz an Deine Frau, die war am Telefon so richtig nett.