Anton Geistreich 1875 – 1923

Briefe

Trost nach dem Tod der Schwester

Kloster zur Heiligen Schwester Monika · 22. September 2016

Sie hatte angerufen, ohne zu wissen, was geschehen war. Dieser Brief ist die Antwort darauf. Er beginnt mit ihrer eigenen Erfahrung – vier Jahre zuvor war ihre Schwester unerwartet gestorben – und gibt dann weiter, was ihr vor langer Zeit ein Priester gesagt hatte: dass die Verstorbenen dort sind, wo sie gelebt haben. Derselbe Satz kehrt drei Jahre später im Brief zum Tod der Mutter wieder; hier steht er zum ersten Mal, mitsamt seiner Herkunft. Auf der zweiten Seite wird sie deutlich gegenüber ihrer eigenen Kirche und macht einen sehr konkreten Vorschlag. Auf dem Bogen klebt das Bild einer Kerze, auf dem Umschlag das einer Kirche.

Umschlag: drei Briefmarken (Krokus 5, Tulpe 10, Tierkinder Feldhase 70) und Maschinenstempel vom 23.9.16
Umschlag: drei Briefmarken (Krokus 5, Tulpe 10, Tierkinder Feldhase 70) und Maschinenstempel vom 23.9.16
Auf den Umschlag geklebtes Bild einer Kirche
Auf den Umschlag geklebtes Bild einer Kirche
Erste Seite mit aufgeklebtem Kerzenbild, Datumszeile und dem Wort des Priesters
Erste Seite mit aufgeklebtem Kerzenbild, Datumszeile und dem Wort des Priesters
Zweite Seite mit dem Jahr der Barmherzigkeit, dem Rat zum Gespräch und dem Schlussgruß
Zweite Seite mit dem Jahr der Barmherzigkeit, dem Rat zum Gespräch und dem Schlussgruß
Beigelegtes Foto einer brennenden Kerze
Beigelegtes Foto einer brennenden Kerze

Klartext

Lieber Udo.

Seit dem letzten Anruf sind meine Gedanken oft bei Dir, ich wußte gar nichts von dem schweren Leid, das Deine Familie getroffen hat. Sonst hätte ich Dich nicht angerufen. Aber vielleicht mußte es so sein.

Vor vier Jahren mußte ich das selbe durchstehen wie Du jetzt, beim unerwarteten Tod meiner lieben Schwester.

Es ist für Dich hart, überall mußt Du jetzt der Starke sein, ob in Deinem Betrieb, oder in der Familie. Manchmal kommst Du Dir auch vor wie von allen Menschen verlassen. Aber zum Glücke hast Du Deine liebe Susanne noch die Dir in schweren Stunden zur Seite steht.

Und nun sage ich Die etwas, was mir vor vielen Jahren ein Priester gesagt hat und mir schon oft geholfen hat: Die Verstorbenen sind da wo sie gelebt haben, nicht in einen selbstgezimmerten Himmel, sie sind bei ihren Lieben, ihr Himmel ist nah bei Ihren Lieben zu sein. Sie sind Dir näher als sie es im Leben haben sein können. Sprich mit Deiner Schwester, sie hört Dich.

Kinder die so eine gute Mutter hatten wie ihr gehen nicht verloren.

Jetzt wo Franziskus das Jahr der Barmherzigkeit ausgerufen hat steht Jesus mit offenen Armen da als der Barmherzige über Leben und Tod. Er umarmt alle die zu ihm kommen. Alles kleinliche Denken kommt nicht von Gott, es kommt von den Menschen im Auftrag der Kirche. Aber Gott lacht über sie über ihre menschenunwürdige Vorschriften. Papst Franziskus hat die Kirchentüren weit aufgemacht für alle. Auch Du darfst zu Kommunion gehen.

Sprich Du mit Deiner Mutter ob Ihr nicht ein ruhiges Wochenende, oder auch etwas mehr, nahe bei Ihm verbringen wolltet.

Ich würde die Gelegenheit beim Schopf packen und den Spiritual bitten zu einem Gespräch mit Dir. Du wirst Dich wundern als glücklicher, befreite Mensch wirst Du da heraus kommen.

Wenn es stimmt was gemunkelt wird fällt bald auch in Deutschland die Kirchensteuer weg, das nur so nebenbei.

Lieber Udo, falls es Dir Angst macht vor dem 6.10. dann sei gewiß ich stehe hinter Dir mit meinem Gebet und stärke Dir den Rücken.

Wenn Du willst grüße Deine Mutter von mir.

Alles Gute, bis bald Monika.