Anton Geistreich 1875 – 1923

Briefe

Die Bastelscheren und der Basar

Kloster zur Heiligen Schwester Monika · 6. November 2016

Ein Novemberbrief, in Ruhe geschrieben, weil der Nieselregen den Spaziergang ausfallen lässt. Er erzählt vom Backen der Geburtstagstörtchen für jede Mitschwester, von der Vorbereitung des Basars, für den die geschenkten Bastelscheren schon im Keller liegen – und von der Sehnsucht der Menschen nach Freude in einem November, an dessen Sonntagen nur vom Krieg gesprochen wird. Dann, fast beiläufig, vier vergebliche Anrufe und der Verdacht, es könne mit der Mutter zu tun haben. Am Ende die Entschuldigung dafür, drauf los geschrieben zu haben, ohne auf gute Grammatik zu achten.

Umschlag: Briefmarke „250 Jahre Technische Universität Bergakademie Freiberg“ und Maschinenstempel des Briefzentrums, November 2016
Umschlag: Briefmarke „250 Jahre Technische Universität Bergakademie Freiberg“ und Maschinenstempel des Briefzentrums, November 2016
Erste Seite mit gemalter Blumenranke am Rand und der Datumszeile
Erste Seite mit gemalter Blumenranke am Rand und der Datumszeile
Zweite Seite mit dem Bericht vom Basar, den Anrufen und dem Schlussgruß
Zweite Seite mit dem Bericht vom Basar, den Anrufen und dem Schlussgruß
Beigelegtes Foto: Herbstgesteck mit Kastanien, Zierkürbissen, Hagebutten und Lampionblumen
Beigelegtes Foto: Herbstgesteck mit Kastanien, Zierkürbissen, Hagebutten und Lampionblumen

Klartext

Lieber Udo.

Es nieselt und das ist heute wunderbar, denn so werde ich nicht von Sr. Petra zum Spaziergang erwartet. Schwester Aleidis, unsere neue Demenzmitschwester ist auch versorgt sie ist in ihrem Zimmer, gleich neben meinem, nachdem wir etwas Süßes gegessen hatten, so kann ich mit Ruhe Deinen Brief schreiben.

Vor allem möchte ich mich bedanken für die beiden schönen Pakete. Ich und ein Teil unserer Mitschwestern haben sich sehr gefreut, besonders die indischen. Am Geburtstag bekommt nun niemand etwas, weil ich backe, jede Schwester bekommt ein Törtchen: Hefeteig mit Mandarinen belegt und Mandelstreusel. Zwei Schwestern helfen mir dabei, so welle ich und steche die runde Teigstückchen aus und das andere machen meine Mitschwestern. Und ein schönes Teil Deiner Paket hebe ich auf für unerwartete Fälle, so unter dem Jahr.

Sonst geht es mir gut und im Haus ist noch alles still. Aber bald geht es los mit der Vorbereitung auf unseren Basar, in zwei Wochen. Deine Scheren liegen schon unten im Keller, bei den anderen Sachen. Das sind ganz tolle Bastelscheren, wer sie bekommt hat viel Spaß damit. Auch die Schränke die ihr gesehen habt, als ihr da ward, sind für den Basar stehen geblieben. Wenn der Basar so lustig wird wie der Flohmarkt dann ist es schön. Denn alle Menschen sehnen sich nach Freude, besonders im November mit den Nebeln, mit den frühen Abenden und mit den Sonntagen wo nur vom Krieg gesprochen wird.

Jetzt kommt mir noch etwas: Dich ans Telefon zu bekommen ist fast aussichtslos. Der Mann am Apperat 35 hat mich vielleicht angekotzt, das beste was er gesagt hat ist das ich 600 anrufen soll. Vier mal habe ich vergebens versucht Dich zu bekommen. Ja ich glaube das Du viel, sehr viel zu tun hast und vielleicht lenken (mich) Dich meine Gespräche ab vom Wichtigen, das tut mir leid. Nur habe ich ein komisches Gefühl, das es mit Deiner Mutter zu tun hat, die böse auf mich ist weil ich mich um etwas gekümmert habe was mich nichts angeht.

Irgend wann werde ich sie mal wieder anrufen.

Udo ich habe schnell drauf los geschrieben wie es mir in den Sinn kam, ohne auf gute Grammatik zu achten.

Richte bitte liebe Grüße an Susanne, an Deine Mutter und an Niklas aus.

Dir alles Gute, in Dankbarkeit Monika