Anton Geistreich 1875 – 1923

Briefe

Frühlingspläne und die Sorge um Ludwig

Kloster zur Heiligen Schwester Monika · 11. März 2017

Ein Brief aus dem März: Dank für Post nach dem Urlaub, die Auflösung eines rätselhaften Anrufs, die bange Zeit um ihren Großneffen – und die herzliche Einladung, im Frühjahr mit der Mutter zu Besuch zu kommen. Zum ersten Mal spricht sie auch davon, dass ihr das Schreiben schwerer fällt.

Umschlag: Briefmarke (250 Jahre TU Bergakademie Freiberg) und Poststempel vom 13. 3. 2017
Umschlag: Briefmarke (250 Jahre TU Bergakademie Freiberg) und Poststempel vom 13. 3. 2017
Erste Seite mit gemalter Blumenranke, Handschrift
Erste Seite mit gemalter Blumenranke, Handschrift
Zweite Seite mit Schlussgruß
Zweite Seite mit Schlussgruß
Beigelegte Fotografie: Theaterszene der Schwesternfasnacht
Beigelegte Fotografie: Theaterszene der Schwesternfasnacht
Beigelegte Fotografie: das Ensemble auf der Bühne
Beigelegte Fotografie: das Ensemble auf der Bühne
Beigelegte Fotografie: Szene im Hutladen
Beigelegte Fotografie: Szene im Hutladen
Beigelegte Fotografie: Szene im Hutladen, zweiter Blick
Beigelegte Fotografie: Szene im Hutladen, zweiter Blick
Beigelegte Fotografie: mit dem Becherhut
Beigelegte Fotografie: mit dem Becherhut
Beigelegte Fotografie: Spielszene mit Tannenzweig
Beigelegte Fotografie: Spielszene mit Tannenzweig

Klartext

Lieber Udo.

Noch ein paar herzliche Grüße dazu und der Brief, der schon etliche Tage auf meinem Tisch liegt, kam in den Briefkasten. Hoffentlich hattet Ihr trotz des Regens an eurem Ferienort, einen anderen Platz gefunden wo noch Schnee lag. Hauptsache Ihr hattet Freude und Erholung, die paar Tage waren ohne hin schnell um.

Die Frage wer hatt gestern abend hier angerufen war bald geklärt. Entschuldige bitte das ich Dich grundlos störte. Eine Mitschwester, die an Demenz rum macht hatte den Hörer abgenommen und mir dann nur sagen Gladbach hat angerufen. Es war die Frau von Ludwig, meines Großneffen.

Ludwig hatte vor vier Wochen einen schweren Herzinfarkt mit Wiederbelebung. Ilona hatte den Boden unter den Füßen verloren. Ich war die einzige der sie es sagte. So rief ich jeden Abend, nach Feierabend bei ihr an und machte ihr Mut. Die ersten fünf Tage waren schlimm für sie denn Ludwig lag im künstlichen Koma und Ilona saß von ½4 bis 6 Uhr täglich am Bett. In den Stunden hat sie viel Not gespeichert, die ich ihr am Abend durch unsere langen Gespräche nehmen und Mut machen wollte. Unserer beiden Hoffnung war das Gebet und wir wurden erhört. Es ging langsam aber stetig, jeden Tag ein bißchen besser.

Seit einer Wochen ist er aus dem Krankenhaus entlassen und beginnt am Mittwoch, ambulant in der Hardtwaldklinik mit der Reha. Jetzt kommt noch eine Schwierigkeit dazu mit der Ilona nicht fertig wird, Ludwig ist anders als sonst, es kommt zu Mißverständnissen. Ich denke das es mit der Krankheit zu tun hat. Ich konnte sie beruhigen, denn in der Reha lernt Ludwig Menschen kennen, die genauso krank waren wie er.

Und jetzt zu Dir lieber Udo, jetzt kommt der Frühling, überlege Dir wie Du es mit Deiner Mutter machen willst. Der Frühling und der Herbst sind schön bei uns, so um Ostern herum. Sr. Rita hatte damals schon die Erlaubnis gegeben, das Deine Mutter kommen darf. Ein Anruf mit Sr. Rita genügt. Es eilt nicht aber verschiebe es nicht zu lange. Gib mir bitte Bescheid wenn Du einen Plan hast.

Leider ist meine Zeit um, jetzt kommt etwas anders, dran für 3 Stunden. Du siehst mein Brief sieht nichts so aus wie früher. Mein Kreislauf läßt mich oft im Stich, so habe ich das Linienblatt nicht gesehen. Ich hoffe das es doch wieder etwas besser wird. Gott sei Dank kann ich noch alle meine Arbeit tun. Ich bin zufrieden.

Grüße bitte Susanne,
Deine Monika.