Anton Geistreich 1875 – 1923

Briefe

Das Riesenpaket und das Theaterstück

Kloster zur Heiligen Schwester Monika · 14. November 2017

Am Abend noch geschrieben, auf dickem Blumenpapier, bei schlechtem Licht und ohne Linienblatt – nur damit der Dank am nächsten Morgen aus dem Haus geht. Der Brief erzählt vom Tag, an dem das Riesenpaket ankam: was sofort verteilt wurde, was in den Schrank zum Verschließen wanderte, der Christstollen für den Samstag. Dann wird es ernster. Aus den Nachrichten der Mutter wusste sie vom Krankenhaus und hatte die Mitschwestern beten lassen; ihre Gewissensbisse über die eigenen Wünsche sind mit dem Paket wie fortgefegt. Es folgen die beiden Schwestern, die jetzt auf der Krankenstation fehlen, das Theaterstück für den dritten Advent, das sie den älteren Schwestern zuliebe einstudieren – und das Bild der Mitschwestern, die den Wagen mit den ausgepackten Sachen umlagern, für das ihr die Worte des Dankes fehlen.

Umschlag: Briefmarke „200 Jahre Dampfschiff Die Weser“, Poststempel vom 15. 11. 2017
Umschlag: Briefmarke „200 Jahre Dampfschiff ‚Die Weser‘“, Poststempel vom 15. 11. 2017
Erste Seite auf Blumenpapier mit Datumszeile und Dank für die beiden Pakete
Erste Seite auf Blumenpapier. Der Ortsname in der Datumszeile ist retuschiert.
Zweite Seite mit dem Bericht vom Theaterstück und dem Schlussgruß
Zweite Seite mit dem Bericht vom Theaterstück und dem Schlussgruß
Beigelegtes Foto: Beet mit Sonnenhut, Margeriten und Phlox an einer Mauer
Beigelegtes Foto: Beet mit Sonnenhut, Margeriten und Phlox an einer Mauer

Klartext

Lieber Udo.

Wie der Brief am Ende aussieht, da bin ich gespannt drauf. Das Papier ist so dick das ich kein Linienblatt sehe und das Licht läßt auch zu wünschen übrig. Nur eines ist mir wichtig das der Brief morgen früh weg geht, denn Du hast es verdient das ich, wir uns bedanken für die beiden Pakete.

Ich würde gerne schreiben was los war als heute das Riesenpaket ankam, die Schwestern die gerade dazu kamen bekamen gleich etwas, ich weiß nicht wie schnell sich das rum gesprochen hatte, die sind ja nicht immer so schnell. Alles andere ist in einem Schrank zum schließen. Morgen gibt es für jede Schwester einen Mohrenkopf und zwei Plätzchen. Am Samstag schneiden wir von den Christstollen auf, der sieht so schön aus.

Für alles vielen Dank. Jetzt haben die Schwestern die liebend gerne Gummibärchen haben eine Tüte Gummibärchen.

Alles in allem war eine große Überraschung. Immer wieder hatten mich Schwestern gefragt, besonders Sr. Richlindis was macht der Udo, auch die indischen fragen manchmal.

Von Deiner Mutter erfuhr ich ja das Du dreimal wegen dem Herzen im Krankenhaus warst. Und so habe ich immer gesagt das Du sehr schlimm krank seist, sie sollen beten. Und dann kommt nach einer stillen Zeit so ein Paket, das war eine große Überraschung.

Ich hatte mir so schlimme Gewissensbisse gemacht das ich unverschämt war mit meinen Wünschen an Dich. Und wie aus dem heiteren Himmel ist alles fort gefegt.

Sonst geht es mir gut. Zwei Schwestern die uns in der Küche und im Refektor geholfen haben sind auf die Krankenstation gekommen und die fehlen uns. Aber wir müssen zufrieden sein das wir es noch können und nicht im Zimmer sitzen müssen und auf den Tod warten.

Augenblicklich sind wir wieder an einem Theaterstück üben für den dritten Adventsonntag. Es ist ein anspruchsvolles Stück, wofür wir ziemlich zu lernen haben. Aber wir tuen es gerne, unseren noch älteren Schwestern zu liebe. Manchmal denke ich wie gut geht es uns doch wir haben alles und manchmal noch mehr. Wenn wir die Not sehen dann müssen wir schön still sein.

Lieber Udo, wenn ich noch mal auf den Tag zurück schaue und sehe wie unsere Mitschwestern den Wagen, auf den die ausgepackten Sachen Deines Paketes waren umlagerten, dann kann ich nur sagen mir fehlen die richtigen Worte des Dankes so wie es sich gehörte, lieber Udo.

Von Herzen Danke, alles Liebe und Gute

bitte grüße Deine Mutter und Susanne

Deine Monika.