Anton Geistreich 1875 – 1923

Briefe

Das Weihnachtsstück und die Sorge ums Kloster

Kloster zur Heiligen Schwester Monika · 27. Dezember 2017

Der Neujahrsbrief, geschrieben auf einem Bogen mit aufgeklebten Krippenbildern und dem Engelsband Gloria in excelsis Deo. Zu Weihnachten hatte es nicht mehr gereicht, dafür kommen die Wünsche jetzt umso herzlicher – zusammen mit einer Mahnung: langsamer machen, wer auf der Nase liegt, nützt niemandem. Dann die Nachricht, die das Haus umtreibt. In der Zeitung stand, das Kloster solle verkauft werden; die Mitschwestern sind verunsichert, und die Theatergruppe spielt gegen die Traurigkeit an, fünf Wochen auswendig gelernt. Ihr eigener Trotz dagegen ist schlicht: niemand wirft uns hier heraus. Am Ende ein Satz, der wehtut, weil er vom Alter kommt – das Briefeschreiben, immer eine Freude, ist ihr zur Last geworden.

Umschlag: Wohlfahrtsmarke „Die Bremer Stadtmusikanten“ mit aufgeklebtem Silberstern, Poststempel vom 28. 12. 2017
Umschlag: Wohlfahrtsmarke „Die Bremer Stadtmusikanten“ mit aufgeklebtem Silberstern, Poststempel vom 28. 12. 2017
Erste Seite mit aufgeklebten Krippenbildern, Engelsband und Datumszeile
Erste Seite mit aufgeklebten Krippenbildern und Engelsband. Der Ortsname in der Datumszeile ist retuschiert.
Zweite Seite mit den Neujahrswünschen und dem Schlussgruß
Zweite Seite mit den Neujahrswünschen und dem Schlussgruß
Beigelegtes Bild: gemalte Winterlandschaft im Blick durch ein Backsteintor
Beigelegtes Bild: gemalte Winterlandschaft im Blick durch ein Backsteintor

Klartext

Lieber Udo.

An Weihnachten hat es mir fast nicht mehr gereicht Dir und Deiner Familie frohe Weihnachten zu wünschen, aber um so herzlicher sind meine guten Wünsche für Dich, zum neuen Jahr. Letztes Jahr habe ich übers Handy, am Silvesterabend angerufen, um Dir ein gutes Neues Jahr zu wünschen, das will ich heute Abend mit ein paar Zeilen tun. Für Dich war das Jahr nicht besonders gut, denn wie Deine Mutter am Telefon sagte warst Du drei Mal wegen dem Herzen im Krankenhaus. An Deiner Stelle würde ich ein bißchen langsamer machen, denn wenn Du auf der Nase liegst hat niemand was davon. Es vergeht kein Tag ohne das ich nicht an Dich denke.

Im großen und ganzen geht es uns gut. Nur, seit dem es in der Zeitung stand das das Kloster verkauft werden soll sind meine Mitschwestern verunsichert und traurig, deshalb lassen wir uns immer wieder etwas einfallen zum Auflockern. In der Weihnachtswoche haben wir, unsere Theatergruppe ein großes Weihnachtsstück aufgeführt, da haben wir fast fünf Wochen für auswendig gelernt. Das hat ihnen und uns gut gefallen. Und jetzt mit Weihnachten und fröhlichen Liedern geht es ihnen auch besser. Oftmal sage ich niemand wirft uns hier heraus, wir ziehen erst aus wenn wir eine andere Bleibe haben. Es sind schon Beratungen mit Freiburg gewesen. Ich mache mir gar keine Gedanken ich lasse es an mich ran kommen.

Ich muß aufhören mit Schreiben, meine Augen wollen nicht mehr, trotz guten Lichts. Meine Füße, Beine und Augen tuen es nicht mehr. Das Briefeschreiben war mir immer eine Freude und jetzt ist es mir eine Last.

Lieber Udo, alles erdenklich Gute und Gottes Segen wünsche ich Dir für das Neue Jahr. Wir haben Dir viel zu danken, Du hast uns oftmals große Freude gemacht, aber irgend wann hört alles auf. Sr Vera hat das viele Porto von den Paketen nicht gut schlucken können. Aber sie hat sich immer sehr gefreut.

Alles Liebe und Gute auch für Deine Mutter,

Deine Monika.